Was ist Shiatsu?

Die Frage „Was ist Shiatsu?“ begleitet mich seit meiner Ausbildung und ich unterlasse hier den Versuch einer Annäherung an den Begriff – dieser könnte nur eine Momentaufnahme bieten, denn Shiatsu ist für mich ein lebendiger kreativer Weg. Die beste Methode, um sich von Shiatsu ein Bild zu machen, ist meiner Meinung nach, es selbst zu erfahren.

Wer sich vorab dennoch informieren möchte, findet zahlreiche Informationen im World Wide Web. Empfehlen möchte ich folgende Seite der GSD (Gesellschaft für Shiatsu Deutschland): shiatsu.gsd.de/Was-ist-Shiatsu

Ich fühle mich dem sogenannten „Zen-Shiatsu“ von Shizuto Masunaga verbunden, welches die Basis meiner Ausbildung am Isom-Institut Bonn-Beuel bildete. Deshalb gebe ich an dieser Stelle einen kurzen Überblick über die Entwicklung von Shiatsu bis hin zu Masunagas Arbeit.

Shiatsu im wortwörtlichen Sinn bedeutet Fingerdruck (Shi = Finger, atsu = Druck). Die Wurzeln des Shiatsu führen zurück in die Frühgeschichte Japans zur Kunst des Handauflegens „te-ate“ (te = Hand, ate = Berührung). Die chinesische Heilkunde fand etwa 500 n Chr. ihren Weg nach Japan und verwirklichte sich dort unter dem Begriff Kampo, unter deren Präsenz sich „Anma“, eine Form der energetischen Ganzkörperbehandlung, entwickelte.

Mit zunehmender Verbreitung der westlichen Medizin im „modernen Japan“ trat die Kampo-Medizin in den Hintergrund. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das traditionelle Anma weitgehend verschwunden. Es verblieb eine vereinfachte Form, welche einer Massage glich.

1919 soll der Begriff Shiatsu von Tenkei Tamai geprägt worden sein. Er schuf das Wort, um seine Arbeit von der gewöhnlichen Form des Anma zu unterscheiden. Er verband westliche Erkenntnisse mit traditionellem Wissen und betonte den spirituellen Aspekt von Shiatsu.

Tokujiro Namikoshi (1905 – 2000) setzte in Japan die staatliche Anerkennung von Shiatsu durch. Die traditionelle Kampo-Medizin – und damit auch Shiatsu – waren nach dem zweiten Weltkrieg von der Amerikanischen Besatzungsmacht verboten worden. Unter diesen Bedingungen kämpfte Namikoshi um die staatliche Anerkennung seines Shiatsu. Er grenzte sich hierfür von der Kampo-Medizin ab. Die Reflexpunkte, auf die bei seiner Arbeitsweise Druck ausgeübt wird, setzte er in Bezug zur westlichen Anatomie und Physiologie. Seine Arbeit hat die Auffassung von Shiatsu in Japan wesentlich geprägt und ist bis heute der dort vorherrschende Stil.

Shizuto Masunaga (1925–1981) kam angeblich schon früh über das Elternhaus mit Shiatsu in Kontakt. Nach der Begegnung mit Tenkei Tamai soll er als 15-Jähriger mit dem Üben von Shiatsu begonnen haben. Er lernte Shiatsu unter anderem bei Namikoshi, unterrichtete sogar an seiner Schule einige Jahre das Fach Psychologie. Im Zuge seiner Studien alter Schriften kam er jedoch immer mehr vom Stil Namikoshis ab und stand den stark formalisierten Arbeitstechniken und dem mit Muskelkraft ausgeübten Druck kritisch gegenüber.

1968 verließ Masunaga die Namikoshi-Schule und eröffnete seine eigene Shiatsu-Klinik. Er verankerte Shiatsu wieder in der fernöstlichen Gesundheitslehre sowie deren philosophischen Wurzeln – Taoismus und Zen – und verband dieses Wissen mit der westlichen Lehre. Ein besonderes Merkmal Masunagas war seine tänzerisch fließende Arbeitsweise. Er betonte das ganzheitliche Verständnis des Menschen und damit die Einheit von Körper, Geist und Seele. Auf Basis seiner Forschungen und Erfahrungen entwickelte er ein erweitertes Meridiansystem, welche er im Vergleich zu den klassischen Meridianverläufen als besser geeignet für eine Ganzkörperbehandlung hielt.

Der im Westen verbreitete Begriff „Zen-Shiatsu“ (Zen = Meditiation) – welcher hier mit Masunaga in Verbindung gebracht wird – betont die innere Ausrichtung der behandelnden Person. Hieraus erschließt sich die geforderte Grundhaltung der Shiatsu-Praktizierenden: Körper und Geist zur Ruhe kommen lassen, sich sammeln, leer werden und im gegenwärtigen Moment präsent sein.

 

Quelle: Itin, Peter: Shiatsu als Therapie. Norderstedt: Books on Demand GmbH. 2007

Werbeanzeigen